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Wagen der LSU beim 31. Christopher Street Day in Berlin
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(Berlin, 27. Juni 2009) Auf der traditionellen Route zog der 31. CSD Berlin vom Kurfürstendamm über den Wittenbergplatz, den Nollendorfplatz, den Potsdamer Platz, vorbei am Brandenburger Tor zum Großen Stern. Motto in diesem Jahr war "Stück für Stück ins Homoglück - Alle Rechte für Alle!".
Wie bei vielen weiteren CSD-Veranstaltungen in Deutschland, stand auch in Berlin die Forderung nach einer Erweiterung des Artikels 3 Absatz 3 Grundgesetz um die "sexuelle Idendität" im Vordergrund der politischen Demonstration.
Eröffnet wurde der CSD unter anderem von Frau Prof. Monika Grütters (MdB), der Spitzenkandidatin der CDU Berlin für den Deutschen Bundestag. Frau Grütters war danach auch auf dem Wagen der LSU mit dabei. Neben ihr und vielen Mitgliedern und Freunden der LSU waren auch Vera Lengsfeld, die bei der kommenden Bundestagswahl für den Wahlkreis Friedrichshain-Kreuzberg kandidiert, und Monika Thamm (MdA) an Bord.
In einer kurzen Rede vor Beginn der Parade betonte Eike Letocha, der Vorsitzende der LSU Berlin, die Bedeutung gegenseitiger Achtung und Respekts. In dem Zusammenhang verwies Letocha auf eine der Forderungen des Berliner CSD 2009.
"Respekt muss auf Gegenseitigkeit beruhen
Berlin ist das wichtigste Lebensstillabor unseres Landes. Unsere Stadt bringt alle möglichen Menschen miteinander in Kontakt Tag für Tag, Stunde für Stunde. Wir fordern, dass unsere Metropole überall die unsrige sein kann, ausnahmslos. Wir respektieren jede und jeden anderen, gleich welcher Herkunft, welchen Geschlechts, welcher Religion, welchen Alters und welcher demokratischen Prägung auch immer. Und fordern von allen, dass uns diese Wertschätzung ebenso entgegengebracht wird."
Am Ende der Parade war Eike Letocha sehr zufrieden. "Ich freue mich sehr darüber, dass unsere Werbematerialien und unser Wagen so gut bei den Besuchern angekommen sind! Es zeigt sich, dass unser unermüdliches und aktives Engagement innerhalb der CDU und der lesbisch-schwulen Szene zunehmend Anerkennung findet." so der Landesvorsitzende. (mst/eal)
Vera Lengsfeld hat für ihre Homepage (www.waehlt-vera.de) den folgenden, sehr lesenswerten Artikel über ihre Fahrt auf dem Wagen der LSU verfasst:
Die CDU ist jung, schön und sexy
- jedenfalls auf dem Christopher Street Day
Am Sonnabend hatte ich einen Parteitermin der besonderen Art: ich durfte auf dem Festwagen der LSU (Lesben und Schwule in der Union)mitfahren. Als mein Begleiter Mario und ich am Treffpunkt eintrafen, wurden wir mit einem Sekt begrüßt. Von einem jungen Mann in weißem Hemd und orangem Schlips. Wie wir gleich sahen, war das der Dresscode des Tages. Das hatte man uns nicht mitgeteilt und so hatten wir uns gemäß dem Motto auf dem Wagen schwarz (Mario) und bunt (Vera) gekleidet und fielen ein bisschen aus der Rolle. Macht nichts, bin ich ja gewöhnt. Von den halben Millionen Besuchern, mit denen die Veranstalter auch in diesem Jahr rechneten, waren anscheinend die Hälfte schon am Kurfürstendamm erschienen, wo der Zug losging. Dass es sich nicht nur um einen Riesenparty-Spaß handelt, sondern um eine politische Demonstration, sollte in diesem Jahr besonders betont werden. Es ging um „Alle Rechte für alle“, also die Gleichstellung von Menschen jeder sexuellen Orientierung in unserem Land. Gleichzeitig sollte auf das Schicksal von Homosexuellen in anderen Ländern, die immer noch mit Haft, oder, wie im Iran, mit Todesstrafe rechnen müssen, aufmerksam gemacht werden. Als sich unser Wagen in Bewegung setzte, war ich gespannt, wie die Zuschauer am Straßenrand auf uns reagieren würden. Um es gleich vorweg zu nehmen. Die Aufnahme durch das Publikum war herzlich, teilweise enthusiastisch. Natürlich gab es auch vereinzelte gesenkte Daumen, die aber auf keine Resonanz stießen. Das führte dazu, dass trotz gesenkten Daumens das dazugehörige Gesicht so freundlich guckte, dass ich schon ins Grübeln kam, ob die Geste nicht auch etwas anderes bedeuten könnte.
Einmal drehte sich ein Daumensenker auch erbost um und verlies seinen vorderen Platz am Rande des Geschehens. Offenbar ein Typ, der sich seine Vorurteile nicht nehmen lassen wollte. Die LSU- Leute gaben wirklich alles: mitreißende Musik, die zum Tanzen und Mitsingen animierte, Ordner, die ihre Aufgabe, das Publikum auf Abstand zu halten, tanzend erfüllten. Selbst die Handzettel wurden mit so unwiderstehlichen Hüftschwüngen verteilt, dass sie selten abgelehnt wurden. Wenn der Zug zum Stehen kam, wurde mit den Zuschauern getanzt. Aber auch auf dem Wagen wirkte die fröhliche Stimmung ansteckend. Rechts vorn waren zwei junge Frauen die Eye-Catcher für die heterosexuellen Männer im Publikum. Sobald sie ins Sichtfeld kamen, wurden die Fotoapparate gezückt.
Aber auch den Jungs weiter hinten wurde viel Aufmerksamkeit zuteil.Ein kleiner Moment der Nachdenklichkeit, als „Ich war noch niemals in NewYork“ gespielt wurde.Mario erzählte mir , dass er dieses Lied immer in seiner Zelle im Stasiknast Hohenschönhausen gesungen hat .Danach bekam der Refrain eine besondere Bedeutung. Besonders schön war es, wenn Bekannte im Publikum standen. Dann steigerte sich der Jubel zum Stakkato.
Leider musste ich am Potsdamer Platz abbrechen- ein Kreisverbandsfest musste besucht werden. Schade, ich wäre gern geblieben! Als ich abstieg, sah ich, dass sich eine große Menge hinter unserm Wagen angesammelt hatte. Nun war ich neugierig, wie es bei der Konkurrenz aussah. Hoch auf dem gelben FDP-Wagen nüchterne Betriebsempfangsatmosphäre. Bei den Linken hockten sie mit dem Rücken zum Publikum: Closed Shop. Die SPD, die zur Zeit alles falsch macht , was man falsch machen kann, griff auch hier daneben. Die Heftigkeit, mit der Rote Fahnen geschwenkt wurden, hatte etwas Verzweifeltes an sich. Hinter den roten Wagen keine bunte Menge. Und die Grünen? Verteilten ziemlich dröge grüne Luftballons mit „Kein Platz für Nazis“.
Politisch korrekt bis zum Abwinken. Kein Wunder, dass sich auch hinter ihnen kaum jemand versammelte. Fazit: wenn die CDU so unverkrampft, mitreißend, schön und sexy wäre, wie ihre LSU, wäre die absolute Mehrheit bei der nächsten Bundestagswahl sicher.
Die Fotos wurden teilweise von Alexander Schart, dem Vorsitzenden der LSU Hessen, zur Verfügung gestellt. Hierfür danken wir ganz herzlich!
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