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Erinnerung muss bestehen bleiben!

Mario Röllig
(Berlin, 14.08.2009)Im zeitlichen Umfeld der Erinnerung an den Tag des Baus der Berliner Mauer (13.August 1961) und dem bevorstehenden 20.Jahrestag der DDR-Grenzöffnung am 09.November ist es der LSU-Berlin ein wichtiges Anliegen, daran zu erinnern, dass auch Lesben und Schwule in der DDR für Ihre Liebe oftmals einen hohen persönlichen Preis zahlen mussten.

Die LSU hatte am 14.August zu einem Rundgang durch das ehemalige Stasi-Untersuchungsgefängnis Hohenschönhausen eingeladen.

Mario Röllig, der als junger Mann aus Liebe zu einem Mann nach einem Fluchtversuch selbst in Stasi-Untersuchungsgefängnis Hohenschönhausen Monate der Haft und Verhöre erleiden musste, führte durch die Zellen des Schreckens.

Er führte aus: „Hier habe ich als Jugendlicher die schlimmste Zeit meines Lebens verbracht. Die Isolationshaft mit Schlafentzug und endlosen Verhören hat bis heute ihre Spuren hinterlassen.

Die staatliche Willkür und den Zynismus der Stasileute war oft unerträglich. Das Schlimmste jedoch habe ich erst zehn Jahre späteraus den Stasi-Akten erfahren – der Verrat durch Freunde, denen ich vertraute. Das werde ich wohl nie ganz verwinden.

Und dennoch ist es ein Triumph, heute hier zu stehen und den Besuchern von dem Erlebten zu berichten. Ich habe heute hier die Schlüssel in der Hand und kann durch das graue Tor nach Hause gehen, einfach so.“

Im Anschluss an den zweistündigen Rundgang mit sehr persönlichen Eindrücken fand eine Diskussion mit der prominenten DDR-Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld statt.

Vera Lengsfeld, die für die CDU in Friedrichshain-Kreuzberg direkt für den Bundestag kandidiert, führte aus, dass es ein Irrglaube sei, dass das Leben in der Gesellschaft der DDR für Schwule und Lesben durch eine besondere Freiheit geprägt gewesen wäre. Sondern es fand auch in der DDR ein Verdrängen und ein Leben in einer Nische statt. Einzig bei der Altersfrage betreffend die Straffreiheit bei Sex zwischen Männern sei man einen Schritt voraus gewesen. Ansonsten sei auch in der DDR in nicht Künstlerberufen oder in anderen „schwulentypischen“ Berufen die Diskriminierung und die Angst vor dem Bekanntwerden groß gewesen.

Mario Röllig ergänzte: „Wer heute noch ernsthaft glaubt, dass Lesben und Schwule in der DDR besser aufgehoben waren, der war Stasi-Spitzel oder SED-Funktionär. Und niemand kann behaupten, er habe von alldem nichts gewusst.

Vielen DDR-Bürgern war bekannt, dass die Stasi Menschen (auch Homo-Aktivisten) einsperrte. Sie haben einfach weggeschaut.Schämen tun sich heute nur wenige dafür.“

In der LSU war man sich am Ende einig, dass alles getan werden müsse, um die Gedenkstätte politisch dauerhaft zu sichern und die Möglichkeit zum Kontakt mit Zeitzeugen finanziell ausreichend abzusichern.

Alle Versuche in der Vergangenheit von Seiten der Linkspartei, diese Gedenkstätte unter Vorwänden zu schließen oder finanziell auszubluten, dürfen keinen Erfolg haben.

Die Erinnerung muss bestehen bleiben! (khs/mr)


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